Krankheitszahlen und -analysen:

(eigene Grafiken, Daten von Johns Hopkins University oder Eurostat)

 

Was eine Reduktion der Ansteckungszahlen rein ökonomisch bedeuten würde:

 

Grundlage für diese Berechnung ist eine fiktive Ansteckungszahl mit COVID-19 pro Tag (linke Spalte), die aktuell (Ende Oktober bei über 4000 liegt), eine statistische Zahl, wieviele davon im Krankenhaus behandelt werden müssen (2. Spalte von links, vom RKI veröffentlicht), eine Auswertung, was diese Patienten dann die Krankenkassen kosten (von der AOK veröffentlicht), sowie was das für auf's Jahr berechnet kosten würden, wenn sich jeden Tag im Durchschnitt die Zahl aus Spalte 1 infizieren würde.

Als Hinweis: am 18.10. haben sich in Frankreich 32.000 Patienten infiziert. Die reinen Krankenhauskosten für die Patienten nur dieses einen Tages liegen damit bei 6.000.000 * 3.2 = 19.2 Mio. Euro im Vergleich zu ca. 2.7 Mio. Euro bei ca. 4500 Neuinfektionen desselben Tages in Deutschland. Die faktischen Kosten werden deutlich höher liegen, weil, wie erwähnt, beatmete Patienten ungefähr die dreifache Summe benötigen.

 

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Die Folgen einer Politik "Kapitalakkumulation geht vor", d.h. keine oder wenig Bewegungseinschränkungen für die Bevölkerung:

Diese Zahlen sind bezogen auf die Einwohnerzahl der einzelnen Länder, d.h die Größe des Landes spielt keine Rolle. Man beachte weiter die zweimalige Umstellung der Zahlweise von COVID-19 Toten in UK, sowie die nicht mehr tägliche Auswertung ab Ende Juli.

Deutlich wird der enorme Anstieg der Toten in den USA, aber auch in Schweden und Großbritanien, alle drei mit einer jedenfalls anfangs, in Schweden noch immer wenig restriktiven Umgangsweise mit der Erkrankung. Die USA wird, wenn sich der Trend fortsetzt, demnächst das Land unter den Industrieländern mit den meisten COVID-19 Toten pro Einwohner sein, obwohl sich die Krankheit dort erst relativ spät ausbreitete und damit die Vorbereitung auf sie hätte besser verlaufen können.

Zudem meldet das Redaktionsnetzwerk
"Von Anfang März bis einschließlich 4. April gab es in den USA rund 15.400 Todesfälle mehr als im gleichen Zeitraum der Vorjahre, wie die “Washington Post” am Montag berichtete. In der Zeit waren jedoch offiziell nur 8128 Coronavirus-Todesfälle gemeldet worden. Die von einem Team der Universität Yale für die Zeitung durchgeführte Analyse lässt jedoch keinen gesicherten Schluss zu, wie viele der rund 7000 zusätzlichen Todesfälle mit einer Corona-Infektion zusammenhingen. Die Daten legten aber nahe, dass die Zahl der Todesopfer "bedeutend höher als bisher berichtet" ist, zitierte die "Washington Post" den Yale-Epidemiologen Daniel Weinberger."

Eine Analyse der Todeszahlen für New York bis zum 1.5.20 ergibt 13,156 durch Labortests bestätigte Todesfälle und 5,126 wahrscheinliche Todesfälle durch COVID-19, wo Laboruntersuchungen fehlen. Die Übersterblichkeit im Vergleich zu früheren Todesfällen in der Untersuchungszeit lag allerdings bei zusätzlichen 5,148 Fällen (https://www.cdc.gov/mmwr/volumes/69/wr/mm6919e5.htm?s_cid=mm6919e5_X). 

 

Nebenbei: Die Todeszahlen in Japan und Südkorea liegen noch mal weit unter von Deutschland.  COVID-19 ist damit auch eine soziale Krankheit, nicht nur in dem Sinne, dass Einkommenshöhe mit über Infektionsrisiko und Sterbewahrscheinlichkeit mit entscheidet (siehe die Zahlen weiter unten), sondern auch in dem Sinne, dass die Bereitschaft der Bevölkerung sich bestimmten kulturellen Praktiken zu unterziehen mit entscheidet, wieviele Menschen an ihr sterben.

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Eine gute Nachricht - die Sterblichkeit an COVID-19 scheint abzunehmen:

 

Zur Interpretation: der grüne Strich = die aktuelle Sterblichkeit an COVID-19 liegt in den im Diagramm aufgelisteten Ländern Europas zum Teil deutlich unter dem blauen Strich = der Sterblichkeit am 12.06. Die übrigen Striche folgen dem Datum: je länger zurück, um so höher war die Sterblichkeit. D.h. die Sterblichkeit an COVID-19 sinkt seit drei Monaten deutlich.

Offensichtlich hat sich die Qualität der medizinischen Versorgung geändert (effektivere Behandlung schwerer Fälle) bzw. es infizieren sich kontinuierlich weniger Personen, die an COVID-19 versterben (d.h. die präventiven Maßnahmen greifen besser).

 

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Auf- oder Abbauhilfen nach Corona?

(Beitrag aus dem Linken Forum)

Nach Corona: wieder aufbauen?

Nun wurde sie beschlossen: die 750,- Mrd. Wiederaufbauhilfe für die EU. Niemand stellt sie ernsthaft in Frage, Kritik gibt es nur an der Form: nur 390,- Mrd. als Zuschuss, der Rest als Kredit. Nicht gekoppelt an Prinzipien der Rechtstaatlichkeit in den jeweiligen Empfängerländern – die können nur bei der Vergabe der Gelder eine gewisse Rolle spielen.

Die fehlende Kritik ist erstaunlich. Denn nichts wurde durch die COVID-19 Pandemie zerstört. Geht man in die Fabriken, so stehen sie noch und können nach wenigen Stunden neustarten, soweit sie überhaupt aufgehört haben zu produzieren. Geht man in die Büros, so ist der Neustart der Arbeit instantan möglich, soweit diese je unterbrochen wurde. Geht man in die Schulen, Gaststätten, Hotels, wo hin auch immer: Nichts wurde zerstört und doch soll alles wiederaufgebaut werden.

Dabei ist eines klar: Vieles, was durch Corona nicht gewesen ist, wurde gar nicht gebraucht. Z. B. der Urlaub in Thailand oder der Einkauf der neuesten Frühjahrsmode. Z. B. die vielen Fahrten mit dem Auto oder das Wellness-Erleben im Spaßbad. Z. B. der besondere Wein, zum besonderen Anlass. Besser noch: Vieles von dem, was gewesen wäre, wenn Corona nicht dazwischengekommen wäre, wäre schädlich und abstoßend gewesen. Z. B. die toten Schweine in Rheda-Wiedenbrück, die jetzt erst später geschlachtet werden. Oder die vielen nationalen und internationalen Flüge durch die Welt. Oder die Zulieferung der Vorprodukte für die Erstellung der SUVs, die dann in Deutschland zusammengeschraubt werden.

Warum das wiederaufbauen?

Durch Corona: wer wurde geschädigt ...

Vollständiger Artikel siehe COVID-19_the_end.pdf

 

 

Vorbemerkung zur geschätzten Häufigkeit von neurologischen Einschränkungen bei überlebenden COVID-19 Patienten, die jenseits von dem reinen Überleben der Erkrankung auftreten:

„Schwere Pneumonien [z.B. nach COVID-19] mit intensivmedizinischer Behandlung führen zur sog. ICUAW („ICU-acquired weakness“ [ICU: Intensivstation]), einem Krankheitsbild, bei dem die CIP („critical illness polyneuropathy“) und CIM („critical illness myopathy“) ineinandergreifen… Eine CIP und CIM sind bei schwer erkrankten COVID-19-Patient*innen wahrscheinlich und wurden bereits bei anderen Coronavirusinfektionen beschrieben. In einer systematischen Übersicht von 31 Studien wurde über eine mediane Prävalenz [Häufigkeit] von 43 % berichte. Die Inzidenz [akutes Auftretent] nimmt mit der Schwere und Dauer der kritischen Erkrankung zu und erhöht sich durch weitere Faktoren wie Sepsis, Multiorganversagen, Hyperglykämie, parenterale Ernährung und bestimmte Medikamente (Sedativa, Antibiotika, Kortikosteroide, Muskelrelaxanzien. Bei intensivpflichtigen COVID-19-Patient*innen treten sehr häufig frühmotorische Defizite auf, die auf eine CIP und CIM zurückzuführen sind. Das klinische Bild ist geprägt durch die Schwäche und Atrophie der gesamten Muskulatur, inklusive der Atmungsmuskulatur, und Empfindungsstörungen. Eine reduzierte Muskelmasse führt zu einem schlechteren Outcome bei „critical illness“.“

Zitat aus DGNeurologie. 2020 May 18 : 1–10. doi: 10.1007/s42451-020-00198-2

 

 

 

Staatliche Umgangsweise mit der Epidemie und Zuwachs an Erkrankten (Regionen Europas und USA):

 

1) "Übersterblichkeit" durch COVID-19 in 2020 standardisiert auf die Alterszusammensetzung (England und Spanien)

deutlich wird das sprunghafte Ansteigen der Todeszahlen im Frühjahr 2020 (grün Spanien, blau England), solange nichts gegen die Ausbreitung der Erkrankung unternommen wird. Man beachte, dass die Statistik nur bis Ende Juni geht, d.h. bis zu einem Zeitpunkt, wo die Pandemie unter Kontrolle war, d.h. die Zahl der Infizierten sank (was jetzt im Oktober leider nicht mehr der Fall ist).

Quelle (wo man auch andere Ländervergleiche durchführen kann): https://www.ons.gov.uk/peoplepopulationandcommunity/birthsdeathsandmarriages/deaths/articles/comparisonsofallcausemortalitybetweeneuropeancountriesandregions/januarytojune2020#age-standardised-mortality-rates

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Berechnung der Todesfälle an COVID-19 in bis zum 28.09.2020 im Vergleich zu anderen Erkrankungen

 

Quelle: https://public.flourish.studio/visualisation/2562261/

Todesursache "Verkehrsunfälle" hat COVID-19 bereits überholt, andere Todesursachen wie z.B: Herz-Kreislauf Erkrankungen aber definitiv noch nicht erreicht. Allerdings hat COVID-19 eine weltweite Ausbreitung auch erst Mitte bis Ende März erreicht und das Infektionsgeschehen wächst wieder.

 

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COVID-19 Tote: ein Ergebnis fehlender Intensivbetten in bestimmten Ländern Europas?

Wohl eher nur zu einem geringen Maße und wenn überhaupt, dann am ehesten für ältere Patienten, wie die unten stehende Grafik zeigt:

 

 

 

 

COVID-19 Tote: ein Ergebnis zu niedriger Ausgaben für das Gesundheitswesen in bestimmten Ländern Europas?

Die beiden gestrichelten Linien zeigen an, dass wenn man Europa in zwei Subregionen teilt (entsprechend dem dort vorhandenem Reichtum), dass es dann einen
Zusammenhang zwischen Gesundheitsausgaben und Sterberisiko gibt und zwar selbst dann, wenn man die Bevölkerung in Richtung ihres Altersstruktur standardisiert
(mit anderen Worten berücksichtigt, wie viele ältere Menschen mit erhöhtem Sterberisiko es in jedem Land gibt). Gleichzeitig wird deutlich, wie die Corona-Krise das Auseinanderdriften in Europa beschleunigt, da sich neue geographische Konstellationen herauszubilden scheinen.

Allerdings: Diese Grafik ist stark abhängig von der Dynamik bei den Neuinfektionen. Steigen diese, dann sinkt vorerst das Sterberisiko, bis diese mit einer Verzögerung von ca. 2 bis 3 Wochen (mittlere Überlebensdauer bei schweren Verläufen) dann wieder anfängt zu steigen.

 

 

Was könnten weitere Ursachen für Unterschiede in der Sterberate sein?

 

Ein Grund ist die hohe Zahl älterer erkrankter Personen in Südwesteuropa. Hierfür könnten die Lebensverhältnisse eine Rolle spielen.

Nach der ökonomischen Krise 2009/2010 mussten in Südwesteuropa Kinder wieder länger zu Hause wohnen, da es keine Arbeit gab.

Dagegen sind Jüngere aus Südosteuropa eher migriert. Diese Tatsache zeigt die folgende Figur:

 

Durchschnittliches Alter, in dem junge Menschen den Haushalt der Eltern verlassen:

 

Die niedrige Sterbequote in Südosteuropa, wo das Alter, mit dem das Elternhaus verlassen wird, noch höher ist, könnte dann

dadurch zu erklären sein, dass dort insgesamt noch wenige Personen erkrankt sind.

 

Die Krise von 2010 hat aber auch die Gesundheitsausgaben in Nordwest, Südost- und Südwesteuropa massiv beeinflusst. Da die Länder

Südwesteuropas gezwungen waren, so stark zu sparen, wurden die Ausgaben für das Gesundheitswesen gekürzt (wobei in dem Diagramm

unten die Inflationsrate noch nicht herausgerechnet wurde, also insgesamt die Mittel noch niedriger anzusetzen sind):

 

D. h. die hohe Zahl von Corona-Todesfälle könnte auch ein Ergebnis dessen sein, dass seit der ökonomischen Krise 2009 ein Jahrzehnt

im Gesundheitswesen im Südwesten Europas gespart wurde. Hier noch mal ein anderer Vergleich in dieser Hinsicht:

 

 

 

 

Michael Green, Jaromir Harmacek, & Petra Krylova (SOCIAL PROGRESS INSIGHTS FOR COVID-19 CHALLENGES, Quelle siehe unten)
haben den Zusammenhang zwischen Zugang zu einem funktionierenden Gesundheitssystem und Tote nach Infektionserkrankung berechnet
(allgemein, nicht speziell für COVID-19). Die Infobox unten zeigt auf der Y-Achse die Zahl der Toten und auf der X-Achse den Zugang zum
Gesundheitssystem für die Bevölkerung verschiedener Länder (Punkte in dem Diagramm)